«Ein Liebesroman? Sorry, so etwas lese ich nicht.»

Seit meinem Neuanfang als Autorin werde ich mit einer völlig ungewohnten Aussage konfrontiert: «Ein Liebesroman? Sorry, so etwas lese ich nicht.» Jedes Mal, wenn ich das höre, bin ich erst einmal ein wenig schockiert, weil das Genre so pauschalisiert wird. Und dann fällt mir ein, dass es mir selbst bis vor nicht allzu langer Zeit ja genauso ging. Bei dem Wort «Liebesgeschichte» stellte sich bei mir eine Art Fluchtreflex ein, denn ich hatte eine bestimmte Vorstellung davon, was ein Liebesroman war, und diese Vorstellung gefiel mir nicht.

Warum war das so? Weil ich Vorurteile hatte. Ich glaubte, dass Liebesgeschichten alle seicht seien, dem immer gleichen Schema folgten und eine unrealistische und absurde, wenn nicht sogar ungesunde Idee von Liebe vermittelten. Diese Romane gibt es natürlich auch und ich hatte einige davon gelesen und mich von ihnen abschrecken lassen. Aufgrund ein paar weniger Bücher setzte sich in mir der Gedanke fest, alles aus diesem Genre wäre gleich. In gewisser Weise ist es ähnlich wie früher, wenn jemand sagte: «Fantasy? Also so etwas wie Der Herr der Ringe?» Ähm nein, eher so wie, ähm ja, gute Frage … In der Fantasy gibt es so viele Subgenres und Stilrichtungen, dass sogar die Fantasy-Fans teilweise den Überblick verlieren. Doch wie erkläre ich das jemandem, der noch gar nichts über das Genre weiss?

Damals wäre mir natürlich nicht im Traum in den Sinn gekommen, dass das bei anderen Genres auch so sein könnte.  Im Nachhinein ist mir klar, wie einseitig dieses Denken war. Genau wie ich dachte, dass nur schwermütige Musik tiefgründig sein könne, und leichte Musik, nun ja, eben leicht war. Auch diesen Irrtum habe ich inzwischen entlarvt. Die Erkenntnis kam bei mir durch zwei Ereignisse, die sich mehr oder weniger überschnitten:

1) Ich habe den Film Ein ganzes halbes Jahr gesehen. Wegen einer Schauspielerin aus einer Fantasyserie übrigens, und zunächst nur wegen ihr (Emilia Clarke, Game Of Thrones). Tja, da war ich erst einmal baff. Hier sah ich eine Liebesgeschichte, offiziell so angeschrieben, die so gar nicht diesem Schema entsprach, gegen das ich vor langer Zeit eine Abneigung entwickelt hatte. Diese Story hatte alles, was mir bei einem Film oder Buch wichtig ist: Lebensechte Charaktere, Tiefgang und eine Aussage. Natürlich habe ich mir so schnell wie möglich das Buch zu Gemüte geführt, denn ich konnte fast nicht glauben, dass das möglich war. Aber nun hielt ich den Beweis dafür in den Händen.

2) Mein neues Mansukript erwies sich als ein grosser Krampf, denn alle meine Ideen zu den Charakteren passten einfach nicht zu dem Fantasyplot, den ich mir so schön zurechtgelegt hatte. Anfangs habe ich mich dagegen gesträubt und gedacht, dass mir noch etwas einfallen müsse, denn ich konnte ja nicht einfach «nur» so ein Gefühlsdrama schreiben, oder? Zum Glück hat mir Ein ganzes halbes Jahr gezeigt, dass man das sehr wohl kann. (Ich übe noch, bis ich es auch so gut kann ;-)).

Daraufhin habe ich angefangen, nach weiteren solchen Geschichten zu suchen. Wie bei allen Genres ist es schwierig, in dem Urwald von Angeboten, der uns zur Verfügung steht, genau jene zu finden, die mir entsprechen und meinen kleinen Kriterienkatalog erfüllen. Jedoch hat mich diese Erfahrung offener und aufmerksamer gemacht. In allen Genres gibt es unzählige Facetten. Genres sind nicht ihre Klischees. Liebesroman ist nicht gleich Liebesroman, ebenso wie nicht alle Fantasy wie Der Herr der Ringe ist.

Einige andere Künstler und Autoren haben das schon lange vor mir begriffen. Sie legen sich nicht gerne fest und probieren Verschiedenes aus. Immer wieder überraschen sie das Publikum oder die Leserschaft mit etwas Neuem und sichern sich somit einen gewissen Spannungsfaktor. Das Konzept geht auf, in der Regel führt es früher oder später zu Erfolg. Warum sollte man sich auch einschränken? Das wäre doch frustrierend! Im Leben tun wir das ja auch nicht. Wir mögen Äpfel und Birnen oder kombinieren Eis mit Kuchen. Und das ist gut so, denn es macht alles ein kleines bisschen interessanter.

 

 

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