Gute Musikbiographien – Eine Liste

Nichts ist besser geeignet, um das Leben von Musiker*innen zu ergründen, als gute (Auto)biographien. Doch welches sind die guten? Nun, das lässt sich nur durch Lesen herausfinden und wie bei allen anderen Büchern greift man dabei unweigerlich auch mal daneben. Da so viele Bücher zu lesen als Vorarbeit für meine eigene Geschichte aber zeitlich etwas eng geworden wäre, habe ich ein bisschen früher angefangen, nämlich mit vierzehn. Das weiss ich so genau, weil ich noch weiss, was meine erste Biographie überhaupt war: Run To The Hills von Mick Wall über Iron Maiden. Inzwischen ist meine Sammlung etwas grösser geworden und dabei habe ich auch ein paar echte Perlen entdeckt, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Sting – Broken Music
über: Sting
In dieser Autobiographie schreibt der legendäre Künstler über seine Kindheit und seine Zeit als junger Erwachsener, bevor er mit der Band The Police berühmt wurde. Ebenso interessant wie die Herausforderungen und Rückschläge, die der Musiker auf seinem Weg zum Erfolg durchgemacht hat, sind die ausführlichen Schilderungen des Lebens im England der 1950-70er-Jahre. Wenn ihr mal so ein richtig gutes Buch über die englische Gesellschaft lesen wollt, kommt ihr hiermit defintiv auf eure Kosten.

Peter Hince – Queen Unseen
über: Queen
Der Klappentext ist etwas irreführend, denn er wirkt, als wolle da bloss noch jemand sein Stück vom Kuchen. Das soll Interessierte nicht aufhalten, denn der Autor ist alles andere als ein Wichtigtuer. Er war Chefroadie bei Queen und erzählt in seinem Buch, wie sich das Leben auf Tournee als Roadie gestaltete. Dabei bleibt er auf dem Boden der Tatsachen, auch wenn er hier und da die eine oder andere Anekdote über die Band anbringt. Dieses Buch hat mir übrigens bei meiner Recherche zu Der erste und letzte Song am meisten geholfen, da es einen echten Blick hinter die Kulissen gibt – abseits von Fame und Glamour.

David Buckley – Strange Fascination Bowie
über: David Bowie
Für Englischsprachige (leider gibt es keine deutsche Übersetzung). Wer aber Englisch lesen kann und sich für Bowie interessiert, für den dürfte diese Biographie das Buch schlechthin sein. Der Autor hat eingehend recherchiert und präsentiert uns seine Ergebnisse bis ins Detail in einem angenehmen, leicht zugänglichen Schreibstil. Für mich war es manchmal sogar ein kleines bisschen zu ausführlich. Ziel des Autors, wie er im Vorwort erklärt, war vor allem, zu erfassen, was Bowies Kunst für die Musik, die Popkultur und die Fans bedeutet und warum das so ist. Gelungen, würde ich sagen.

Marc Dolan – Bruce Springsteen And The Promise Of Rock’n’Roll
über: Bruce Springsteen
Für Englischsprachige (leider auch hier keine deutsche Übersetzung). Das Besondere an diesem Buch ist, dass der Autor nicht irgendein Musikjournalist ist, sondern Professor für Amerikanistik. Da Springsteens Musik stark von der amerikanischen Kultur und Gesellschaft inspiriert und eng mit ihr verbunden ist, bekommen wir so einen kontextbezogenen Blick auf den Künstler und sein Schaffen. Beeindruckend ist übrigens, wie lange Springsteen in ärmlichen Verhältnissen gelebt und ausgeharrt hat, um seinen Traum zu verwirklichen.

Neil McCormick – Killing Bono
über: Nicht Bono, sondern Neil
Nein, keine Sorge, das ist kein semilegales Pamflet eines potenziellen Attentäters. McCormick ist ein renommierter Musikjournalist, der einst mit Bono dieselbe Schule besucht hat und denselben Traum hatte: Musikerleben, reich und berühmt, nebenbei die Welt retten. So jedenfalls beschreibt es McCormick. Nur hat zumindest das mit dem Erfolg als Musiker bei Bono halt geklappt und bei Neil eben nicht. Dies ist die Geschichte von einem, dessen Traum nicht wahr geworden ist, obwohl er alles versucht hat. Wirklich alles. Dieses Buch kann ich allen Kreativen empfehlen, die verzweifelt kämpfen und strampeln und straucheln oder sich fragen, was schiefgegangen ist. Das Buch ist hart, aber es ist auch beruhigend und erhellend.

Nikki Sixx – The Heroin Diaries
über: Nikki Sixx, Mötley Crüe
Nun, genau genommen erzählt der Musiker hier nicht über sein Leben mit der Musik, sondern über sein Leben mit den Drogen. Das Musikerleben kommt vor und spielt natürlich auch eine gewisse Rolle, der Fokus liegt jedoch auf den Problemen, die Sixx mit seiner Suchtkrankheit hatte. Er hat während dieser schlimmen Zeit in seinem Leben Tagebücher geschrieben und in diesem Buch Auszüge davon veröffentlicht, teilweise versehen mit zusätzlichen Anmerkungen. Die Einträge sind ebenso spannend wie die rückblickenden Erklärungen dazu. Eine ernst gemeinte Warnung an dieser Stelle: Dieses Buch ist nichts für empfindsame Gemüter oder Personen, die leicht getriggert werden. Wenn ihr das seid und es euch interessiert, stellt sicher, dass ihr genug Ausgleich dazu habt und jederzeit mit jemandem reden könnt.

So, das wäre meine Liste mit Büchern über das Musikerleben, die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann. Wenn euch dieser Beitrag tatsächlich anspornt, eines davon zu lesen, würde mich eure Meinung dazu sehr interessieren. Oder habt ihr vielleicht schon das eine oder andere gelesen? Welches? Wie hat es euch gefallen?

Ein Kommentar zu „Gute Musikbiographien – Eine Liste

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  1. Spannende Liste! Ich bin so gar nicht der Biografien-Typ, aber wenn ich das so lese, dann entgeht mir schon das eine oder andere. Aufgrund deiner Beschreibung reizt mich wirklich „Killing Bono“ am ehesten. Ich habe gerade letztens erfahren, dass der Keyboarder von Rammstein auch ein Buch über das Bandleben geschrieben hat (ist aber glaub alles andere als biografisch) – sobald ich wieder einen Gutschein vom Bücherladen meines Vertrauens hab, bestelle ich die beiden. 😉

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