Drei Lektionen für das Business von Kreativen

Dieser Beitrag ist für echte Kreative. Dieser Beitrag handelt davon, wie ein Buch mir geholfen hat, mein Schreibbusiness mit anderen Augen zu sehen. Dieser Beitrag enthält Ansichten, mit denen vermutlich nicht jede*r einverstanden sein wird. Das ist in Ordnung, denn ich schreibe ihn, um euch anderen echten Kreativen das weiterzugeben, was mich davor bewahrt, noch einmal verrückt zu werden.

Wie einige von euch bereits wissen, habe ich früher schon einmal Bücher veröffentlicht. Zwei an der Zahl hatte ich draussen, eine Facebookseite, um sie zu bewerben und viele Connections zu anderen Autor*innen. Es lief nicht gut. Alles, was ich tat, schien nichts zu nützen und in Werbung war ich sowieso ganz schlecht. Ging ich meine Bücher zusammen mit Kolleg*innen an Veranstaltungen verkaufen, schien es mir, als verkauften sich alle anderen Bücher  besser als meine eigenen. Ich wurde frustriert. Ich bekam eine handfeste Krise und wollte das Schreiben schon ganz an den Nagel hängen.

Das kann man nun natürlich nicht, denn es ist wie die Luft zum Atmen. Also schrieb ich weiter. Erst einmal nur für mich. Ohne Veröffentlichungsgedanken, ohne Druck, ohne Zeitplan. Als aus dem Manuskript (dem „Song“) ein immer konkreteres Projekt wurde und es später doch auch um die Veröffentlichung ging, hatte ich schreckliche Angst, dass mir wieder dasselbe passieren würde.

Dann las ich „Der ewige Bestseller“ (engl. „Perennial Seller“) von Ryan Holiday. In einer Zeit, in der ich mich sogar von meinen eigenen Leuten, den anderen Autor*innen, unverstanden gefühlt habe, hat dieses Buch mich aufgemuntert. Holiday spricht darin darüber, was Kunst mit Bestand ausmacht, wie man sie vermarktet und was bei anderen erfolgreichen Künstler*innen und Unternehmer*innen funktioniert hat. Das Buch bestätigt echte Kreative und schreckt erfolgssüchtige Faker ab. Ich sage das so direkt, weil es stimmt. Holiday demontiert übrigens auch die Erfolgssucht, aber das ist in diesem Beitrag nicht Thema.

Hier möchte ich die drei Punkte aus dem Buch hervorheben, die mir am meisten hängen geblieben sind und mein Verständnis davon ausführen. Ich hoffe, dass es jemand anderem genau so viel bringt wie mir.

1) Was „Inhalt“ bedeudet

Ich wollte immer etwas schreiben, das „Substanz“ hat. Etwas Tiefgründiges, das wirklich wichtig ist und wichtige Themen anspricht. Etwas, das zum Nachdenken anregt und einen bleibenden Eindruck hinterlässt, etwas, das Leben verändern kann. Klingt übertrieben? Ist es nicht, aber es muss von der richtigen Seite kommen.

Holiday stützt sich auf Stephen King, wenn er sagt: „Schreibe etwas wirklich Wahres“. Das wirklich Wahre besteht für ihn aber nicht bloss aus Fakten oder guter Recherche. Es ist etwas, das tief aus deinem Innern kommt und dir etwas bedeutet. Vielleicht hat es mit deinen eigenen Erfahrungen zu tun, vielleicht mit Dingen, die du gesehen hast und die dich beschäftigen. Verbaue das, was dich wirklich wirklich beschäftigt, in deiner Geschichte. In der Regel sind solche Themen auch Themen, mit denen man ziemlich sicher irgendjemandem auf die Füsse tritt. Holiday geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er empfiehlt, sich aktiv zu fragen, wem man damit auf die Füsse tritt. Aber noch viel wichtiger: Wem es etwas bringt und was.

Wenn ich heute meine früheren Werke anschaue, habe ich das Gefühl, ich habe nur an der Oberfläche gekratzt. Warum? Weil ich Angst hatte. Ich hatte Angst davor, zu viel preiszugeben, Angst davor, dafür gehasst zu werden, Angst, was die anderen denken. In Wirklichkeit spielt es keine Rolle, was „die anderen“ denken, denn „die anderen“ sind nicht jene, für die deine Kunst gedacht ist. Ich schreibe meine Bücher für bestimmte Leute, die den Inhalt verstehen und denen er (hoffentlich) etwas bringt. Das tun übrigens auch erfolgreiche Künstler*innen. Sie machen ihre Kunst für jene, die es verstehen und mögen. „Die anderen“ sind nicht die Zielgruppe und somit nicht wichtig.

2) Der Zeithorizont ist 10 Jahre. Mindestens.

Ein Konzept, dass sich durch Holidays ganzes Buch zieht, ist der Zeithorizont von zehn Jahren. Die zentrale Frage ist: Wird das in zehn Jahren noch relevant sein? Es geht nicht um schnellen Erfolg. Es geht darum, in zehn, zwanzig, oder auch dreissig Jahren immer noch da zu sein und etwas zu schaffen, das für andere Menschen wichtig ist.

Ist das nicht ungemein beruhigend? Früher dachte ich immer, ich müsse alles sofort machen. Ich hörte Sprüche wie „Ein Buch verkauft sich vor allem im ersten Monat, danach geht es abwärts“ oder „Wenn dein Debüt nicht einschlägt wie eine Bombe, kannst du es vergessen“ und ähnlichen Unsinn. Wenn man nämlich einen Zeithorizont von zehn Jahren hat, relativiert sich alles. Mag sein, dass sich mein Buch momentan nicht überdurchschnittlich gut verkauft. Na, und? Ich habe noch neun Jahre Zeit, um daran zu arbeiten! Werbung überfordert mich. Ich kann nicht alles gleichzeitig machen. Ist egal, denn ich habe ja Zeit. Und vielleicht muss ich auch noch zehn Jahre lang Bücher veröffentlichen, bevor eines erfolgreich wird, aber damit rechne ich ja.

Holiday hat das selber sehr schön ausgedrückt: „Du bist nicht für den schnellen Erfolg hier, sondern für den „long run“, den Marathon.“ (Frei zitiert.)

Das macht alles einfacher. Es bedeutet, dass du nicht alles gleichzeitig machen musst, dass du nicht frustriert sein musst, wenn deine Followerbase nur langsam wächst, dass du dich nicht schlecht fühlen musst, wenn deine Statistik nicht deine (meist unrealistischen) Erwartungen erfüllt. Du hast Zeit, um zu wachsen und immer wieder Neues zu versuchen.

3) Marketing ist alles, was funktioniert.

Alles, was funktioniert. Lassen wir das mal kurz einsickern. Alles, was funktioniert. Holiday liefert auf diese Aussage hin auch einige Beispiele, was erfolgreiche Menschen aus verschiedensten Bereichen so für ihr Marketing/ihre Werbung getan haben. Das hat mich umgehauen. Ohne Witz. Ich wusste nämlich gar nicht, dass all das Werbung sein kann! Ich hatte eine bestimmte Vorstellung davon, was Marketing hiess und was man dabei alles beachten sollte. Überwiegend von irgendwelchen schlechten Marketinghilfeseiten, die hauptsächlich davon leben, dass sie etwas anbieten, was jede*r zu brauchen glaubt.

Man muss wissen, dass Holiday selbst Marketingexperte ist. Eines seiner Lieblingsmotive in seinen Büchern sind ausserdem erfolgreiche Menschen. Sprich, er weiss, wovon er redet. Alles, was funktioniert. Stellt euch das mal ganz konkret vor: Das bedeutet, du kannst bei deinen Nachbar*innen Flyer verteilen, wenn dir das besser gelingt, als eine Medienmitteilung zu verfassen. Ach ja, übrigens mit der total veralteten Medienmitteilung habe ich es zu Beginn des Jahres in drei Zeitungen geschafft. Du kannst einen Blog oder Podcast betreiben, dich von dem höchsten Turm der Stadt abseilen und alle Fernsehleute darüber informieren (wenn du der Typ dafür bist), jedem von deinem Werk erzählen, klassisch auf Social Media unterwegs sein, befreundete Blogger, Journalisten, Radiojockes oder was weiss ich um Hilfe bitten, oder auch alles zusammen.

Ich habe mich Anfangs auch an die für mich einfach Dinge gehalten und war erstaunt, wie viel da zusammen kam. Holiday sagt, richtig ist, was funktioniert. Egal, was das ist. Er empfiehlt übrigens auch, die Dinge fallen zu lassen, die nicht funktionieren. So hast du mehr Energie, die du in die funktionierenden Dinge investieren kannst. Natürlich weiss man nicht vorher, was zu welcher Kategorie gehört, aber dafür versucht man es ja. Du kannst übrigens auch nichts falsch machen. und es muss dir auch nichts peinlich sein. Jene Leute, die du erreichen möchtest, werden es verstehen. Jene, denen du damit auf die Füsse trittst, sind für deine Kunst nicht wichtig.

 

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