Unbeugsam – Flashfiction

Heute habe ich eine Mini-Flashfcition für euch. Flashfictions sind ja ohnehin schon Kürzestgeschichten, 250 – 1’000 Wörter sind erlaubt. Diese Geschichte liegt mit 471 Wörter etwas über der Untergrenze. Ich wünsche euch viel Spass damit!


Kilian legte den Dolch vorsichtig auf den Körper seines Freundes. Den Silberknauf platzierte Kilian so, dass er genau über Galahads Herzen ruhte. Kilian sah auf und liess seinen Blick über den See schweifen. Dahinter lag heiliges Land. Ihr Land.
Kilian atmete schwer, als er sich umwandte, weil er neben sich eine Bewegung wahrnahm. Ida war zu ihm getreten. Sie kauerte sich nieder und legte eine Hand auf den Rand des Bootes.
«Ich mag gar nicht glauben, dass sie nun auch meinen Bruder auf dem Gewissen haben», sagte sie nachdenklich.
«Ich auch nicht», antowrtete Kilian. Und etwas leiser fügte er hinzu: «Er war mehr als nur mein König.»
Ida nickte. Sie verstand.
«Hilf mit», seufzte er und stemmte seine Hände gegen das Boot. Gemeinsam gaben sie dem Boot einen kräftigen Stoss, damit es auf den See hinaus trieb.
Gleichzeitig erhoben Kilian und Ida sich und drehten sich zu der Gruppe von Kriegern um, die sich am Seeufer eingefunden hatte. Ida nickte einem von ihnen zu. Er zog einen Pfeil aus seinem Köcher, entflammte ihn an einer nahestehenden Fackel und jagte ihn auf den See hinaus. Der Pfeil fand das Boot mit Galahads Körper. Eine riesige, wunderschöne Flamme schoss empor.
«Das», sprach Kilian und deutete auf den See, «ist das Werk der Römer!»
Zustimmende, wütende Rufe erklangen.
«Galahad hat sein Leben der Philosophie und der Heikunst gewidmet! Dafür haben Sie ihn ermordert. Die Weisheit der Götter in allen Ehren, werden wir das nicht dulden!»
Erneut erklangen laute Zustimmungsrufe.
«Sie haben uns unsere Freunde genommen!», fuhr Kilian fort. «Sie haben uns unsere Familien genommen! Sie haben uns unsere Felder genommen!»
Die Krieger polterten mit den Füssen und reckten die Fäuste in die Luft.
«Sie wollen uns unsere Kultur nehmen, in dem sie uns verbieten, zu schreiben! Sie können uns sogar unser Land nehmen!», rief Kilian. Er steigerte sich immer mehr in die Rage hinein. Die anderen Krieger liessen sich anstecken und aus der Zustimmung wurde Wutgeschrei.
Lediglich Gawain, der Hohepriester, stand ein wenig abseits und schwieg.
«Aber sie können uns nicht unsere Freiheit nehmen!», schrie Kilian, um den Tumult zu übertönen. «Wir werden weiter kämpfen und wir werden standhalten!»
Jetzt brach der Jubel aus. Wie aus einer Kehle bejahten die Männer Kilians Worte. Schwerter, Speere und Dolche wurden zum Himmel gestreckt.
«Vielleicht werden wir alle sterben und mit Galahad vereint sein! Aber wir werden als freie Männer und Frauen sterben!»
Das Rascheln und Scheppern von Metall mischte sich mit weiteren, enthusiastischen Schreien.
«Wir werden ihnen das Leben schwer machen bis zum letzten Atemzug!», sprach Kilian weiter. «Wir werden in die Geschichte eingehen als das Volk, das die Römer herausforderte!»
Ein Ruf wie aus einer Kehle erklang aus der Menge.
Ida schwieg, doch mit einem Seitenblick zu ihr registrierte Kilian, dass sie lächelte, als wollte sie sagen: ‘Schluss mit Zurückhaltung. Lass uns meinen Bruder rächen.’

 

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