„Ein was?!“ – Ein paar Erklärungen zum Haarfetisch

In meinem Buch „Länger als die Ewigkeit“ gibt es ein Thema, das manchmal schockierte Reaktionen hervorruft. Der Haarfetisch. Cindy aus dem Buch hat ihn, einige Menschen, die ich kenne, haben ihn, und einige Menschen haben ihn sogar, ohne es zu wissen. Es scheint, als löse allein der Ausdruck „Haarfetisch“ Abneigung und Ekel aus. Aber was genau hat es mit diesem Fetisch eigentlich auf sich? Wie äussert er sich? Ergeben sich daraus Probleme für eine Beziehung?

Die englischsprachige Wikipedia ist da sehr aufschlussreich (im Gegensatz zur deutschen, die etwas einsieitig an die Sache herangeht). Es gibt sogar einen Fachausdruck dafür, nämlich „Trichophilie“. Das Wort leitet sich von den griechischen Wortteilen „trica“ (dt. „Haar“) und „philia“ (dt. „Liebe“) ab. Der Fetisch kommt bei Männern und Frauen vor. Einige Quellen behaupten, es betreffe überwiegend Männer, aber genauere Nachforschungen zeigen, dass das ein Irrtum ist.

Grundsätzlich ist es erst einmal ein Fetisch, also eine Neigung, an einer bestimmten Sache besonderen gefallen zu finden oder davon sexuell erregt zu werden. Die Sache in diesem Fall ist Haar, in der Regel Kopfhaar, (manchmal kann es auch andere Körperbehaarung betreffen), und wie bei so vielen Dingen gibt es auch hier ein Spektrum. Die Vorlieben konzentrieren sich häufig entweder auf sehr langes oder extrem kurzes Haar, können aber auch im Zusammenhang mit bestimmten Frisuren oder Haafarben auftreten.

Parallel dazu gibt es den sogenanten „hair cut fetish“, bei dem Leute vom Haareschneiden bei sich selbst oder anderen erregt werden, der mit dem eigentlichen Haarfetisch zwar verwandt ist, aber als eigenständiger Fetisch gilt. Die verschiedenen Formen können in Kombination oder unabhängig voneinander auftreten. (Bei meiner Buchfigur Cindy gibt es z.B. eine Kombination).

Als Aussenstehende*r muss man einer Person nicht zwangsläufig anmerken, dass sie einen Haarfetisch hat. Das meiste spielt sich in der eigenen Psyche der Person ab, z.B. wenn sie ihrer Ansicht nach tolle Haare sieht oder berührt. Von überbordender Freude über den Anblick bis zu sexuellen Fantasien ist alles drin. Die Person der Begierde betrifft das zunächst einmal nicht, es sei denn, die Person mit dem Fetisch würde es ihr sagen oder in einer sexuellen Interaktion darauf eingehen wollen. Es ist auch möglich, dass nur der Anblick oder die Berührung der Haare ausreicht, um die Person mit dem Fetisch zufriedenzustellen (je nach Ausprägung). Solange zwischen der begehrten Person und der Person mit dem Fetisch Konsens besteht und die gegenseitigen Grenzen respektiert werden, gibt es also kein Problem. (Konsens ist sowieso grundsätzlich eine Voraussetzung für gesunde, zwischenmenschliche Verbindungen.)

Etwas komplizierter ist es beim „hair cut fetish“. Da gibt es durchaus Betroffene, die einen gewissen Leidensdruck verspüren, weil sie ihr Verlangen danach, ihren Fetisch auszuleben, nur schlecht kontrollieren können. In solchen Fällen empfiehlt sich eine Therapie. Ist keine solch extreme Ausprägung vorhanden, gibt es Ausweichmöglichkeiten wie z.B. lustige Friseur-Tutorial-Videos. Auf jeden Fall sollten auch hier Grenzen akzeptiert und eingehalten werden. Es kann allerdings zu Diskussionen führen. Hier stellt sich wiederum die Frage, ob eine Kompromisslösung gefunden wird oder nicht.

Solange der Fetisch von der betroffenen Person kontrollierbar ist und sie es nicht als störend oder einschränkend für ihr Leben empfindet, ist keine Therapie notwendig. Personen mit einem gesunden Fetisch können sich in der Regel auch zurückhalten und auf ihr Gegenüber eingehen, wenn es z.B. bestimmte Dinge ablehnt.

Muss man vor Haarfetischist*innen also Angst haben? Grundsätzlich nicht. In den meisten Fällen wird man von dem Fetisch nichts merken, solange man keine intimere Interaktion mit einer Person anstrebt, nicht enger mit ihr befreundet ist und sie nichts dazu sagt. Die meisten Haarfetischist*innen werden es einem auch nicht einfach so auf die Nase binden. Oder würdest du jedem erzählen, was für einen Fetisch du hast? Eben. Wenn man jemandem dann doch näher kommt und die Sache zum Thema wird, ist es wie bei allem anderen eine Frage der Kommunikation und des gegenseitigen Respekts. Und wenn es dann doch einmal ein schwarzes Schaf gibt, das dich nicht respektiert, stellt sich sowieso die Frage, ob die Beziehung weitergeführt werden soll.

 

 

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