Ein Versuch im Schnellschreiben – Der etwas persönliche Jahresrückblick 2019

Das Jahr 2019 war für mich von einer neuen Erfahrung geprägt. Noch nie zuvor habe ich so schnell eine Geschichte geschrieben und veröffentlicht. Innerhalb von nur neun Monaten entstand der Kurzroman „Länger als die Ewigkeit“, inklusive Überarbeitung, Lektorat und Cover. Für mich ist das schnell, sehr schnell.

Neben Brotjob, Hauhalt und Freunden nutze ich jede freie Minute zum Schreiben, aber ich bin ein Langsamschreiber. Ich brauche zwischendurch Pausen, um die nächsten Schritte in der Geschichte reifen zu lassen, Überlegungsphasen, in denen ich den Plot überprüfe und Erholungszeiten, in denen ich gar nicht schreibe. Normalerweise brauche ich für den ganzen Prozess vom Rohentwurf bis zum fertigen Buch 1-2 Jahre.

Wie konnte ich das also so bewerkstelligen? Wenn ich darüber nachdenke, erscheint es mir logisch und verrückt zugleich. Ich möchte euch hier davon erzählen.

Zunächst muss ich sagen, dass die Geschichte von „Länger als die Ewigkeit“ schon etwas älter ist. Sie stammt aus dem ursprünglichen Entwurf von „Der erste und letzte Song“, in dem Joshua als Perspektivträger durch diese Nebenhandlung hätte führen sollen. Das störte den Fluss des „Song“ aber zu sehr, weshalb ich die ganze Joshua-Perspektive dort komplett herausgestrichen habe.

Ich konnte diese kleine Geschichte, die mir inzwischen ans Herz gewachsen war, aber auch nicht einfach aufgeben. So lag das Ganze eine Weile auf der Festplatte, während ich beinahe verzweifelt überlegte, was ich nun damit tun sollte. Zuerst dachte ich an einen weiteren Roman, aber dafür reichte es halt doch nicht ganz. Im Januar brachte mir eine liebe Freundin dann schliesslich die rettende Idee: „Mach doch eine E-Book-Kurzgeschichte.“ Natürlich! Das war es!

Vor lauter Begeisterung habe ich die bereits vorhandenen Szenen sofort ausgegraben, neu zusammengestellt und überarbeitet. Wie mehr ich daran arbeitete, umso mehr Aspekte der Geschichte fielen mir auf, und die Geschichte wurde immer grösser. Nach drei Monaten war ich der Meinung, die Geschichte sei nun komplett und einigermassen präsentabel. Ich verschickte gleich den ersten Entwurf an die Betaleserinnen.

Es kamen viele Anmerkungen zurück und mir wurde klar, dass doch noch einiges fehlte. Also wurde die Geschichte noch einmal erweitert, damit ich nun endlich meine Lektorin damit nerven konnte. Dreimal dürft ihr raten, was passiert ist. Richtig: das Manuskript wurde noch dicker.

Mit jedem Input und jeder Frage musste ich aber auch mein Gehirn neu anstrengen, denn über so einige Dinge habe ich mir zuvor gar keine Gedanken gemacht, weil es ja nie so gross geplant gewesen war. Das führte dazu, dass ich mich einigelte und tage- und nächtelang an nichts anderes mehr dachte. Ich wollte dieser Geschichte den Raum geben, den sie verdiente, und ich wollte es perfekt machen und ich wollte es möglichst bald beenden, damit meine Leser*innen nicht zu lange auf etwas Neues warten mussten. Teilweise kam ich abends vom Brotjob nach Hause, warf mich mit dem Laptop aufs Sofa, ass nebenbei irgendetwas nicht sonderlich Nahrhaftes und fiel noch im Kopf schreibend ins Bett. Wenn ich dann am nächsten Tag aufstand, war das Manuskript wieder die erste Sache in meinem Kopf. Ich schätze, ich war in diesen Monaten nicht die beste Gesellschaft im Büro und ich wollte selbst auch keine.

So wurde „Länger als die Ewigkeit“ von der ursprünglichen Nebenhandlung zu einer Kurzgeschichte und die Kurzgeschichte zum Kurzroman. Ein passendes Cover dafür zu finden war zum Glück nicht so schwierig wie noch zuvor beim „Song“. Die Eingabe in den E-Book-Editor stellte mich dann jedoch nochmals vor eine Herausforderung. Glücklicherweise gibt es Anleitungen für Technikidioten wie mich.

Die Geschichte war vorher bereits in weiten Teilen vorhanden, jedenfalls in meinem Kopf, die Charaktere bereits ausgearbeitet (denn ich habe sie ja vom vorherigen Projekt übernommen). Das „Herunterschreiben“ und Überarbeiten (inkl. Lektorat) war trotzdem ein ganzes Stück Arbeit, das ich nur mit vielen Abend- und Mittagsstunden und einigen schlaflosen Nächten bewältigen konnte. Ich war wie besessen und es war sicherlich nicht das Beste für mein Seelenheil.

War es also eine gute oder eine schlechte Erfahrung? Eine gute natürlich, denn ich weiss jetzt, wie weit ich mich pushen kann – oder eben halt nicht. Das ist auch gleich die Antwort auf die Frage, ob ich es wieder tun würde: Nein. Wenn es an die Substanz von Seele und Körper geht, ist für ich irgendwo eine Grenze erreicht. Ich brauche meine Zeit, damit ich meine Energiereserven schlau einteilen kann und nicht nach jedem Manuskript total ausgebrannt bin. Ausserdem denke ich, dass es für eine Geschichte besser ist, wenn die Autorin auch sich selbst genug Raum lässt.

Dafür gab es auch eine Menge Spass, denn ich liebe die Charaktere der Geschichte einfach. (Alle anderen natürlich auch, aber diese besonders.)

Würde ich sowas anderen Langsamschreiber*innen empfehlen? Kommt drauf an, wie du tickst. Wenn du es versuchen willst, spricht nichts dagegen, aber bremse ab, bevor du umfällst, wenn du merkst, dass es doch nicht geht. Sofern du nicht auf das Geld angewisen bist, gibt es keinen Zwang, irgendetwas sofort oder innerhalb der nächsten zwei Monate, des nächsten Jahres oder auch der nächsten fünf Jahre zu beenden, ausser den, den man sich selbst auferlegt. Das ist das Wichtigeste, was ich aus der Sache gelernt habe.


So, das war mein Bericht zu meinem Versuch im Schnellschreiben. Was ich dieses Jahr sonst noch so gemacht habe?

Zum Beispiel habe ich einen Newsletter eingerichtet. Wenn du alle Informationen zu meinen Büchern, neuen Veröffentlichungen und Veranstaltungen direkt auf dein E-Mail erhalten möchtest, folge mir bitte hier lang.

Updates zu meinen Projekten in Arbeit und meinem Autorenleben gibt es ausserdem auf Instagram @schreibhexe, falls du nicht sowieso längst dabei bist.

Ach, und dann habe ich ja noch an einem anderen Projekt gearbeitet, viel Zeichnen geübt und ein paar Dinge für weitere Romane der „London Flight“-Reihe vorbereitet, aber von all dem erzähle ich euch, wenn es so weit ist.  😉

Ein gutes, spannendes, erfahrungsreiches und mit Glück erfülltes 2020 wünsche ich euch!

 

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