Kapitel 3 – Offenbarungen

Gegenwart

Nach diesem Abend wurde schnell klar, dass Gustaf und Jasmin von nun an zusammen waren. Sie trafen sich noch ein weiteres Mal zum Essen, einmal, um die Sternwarte anzuschauen und dort vereinbarten sie, dass sie nach und nach alle Touristensehenswürdigkeiten der Stadt abklappern würden.
Wie mehr Zeit er mit Jasmin verbrachte, umso mehr hatte er das Gefühl, richtig gesehen zu werden. Jasmin nahm ihn so, wie er war und wenn ihr Blick auf ihm ruhte, fühlte er sich, als ob sie direkt zu seiner Seele vordrang. Außerdem fühlte es sich gut an, jemanden zu haben, mit dem man über Gott und die Welt reden, Dinge unternehmen und sich aufgehoben fühlen konnte. Klar, er hatte seine Freunde, aber das war etwas anderes. Mit Freunden gab es nicht diese intensive Zweisamkeit, die zwei Menschen vom Rest der Welt abschirmte, und in ihrem eigenen Ballon herumschweben ließ. Jedenfalls nicht auf die gleiche Art.
So ging es Gustaf, als er auf der Treppe der National Gallery saß und seinen Karton mit Fish’n’Chips abstellte, um zu essen.
Jasmin machte ein Foto, als er gerade nach den Kartoffelecken griff. Er sah auf. «Wehe, das landet auf Facebook oder Instagram.»
«Keine Sorge», sagte sie. «Nur auf Tumblr, Twitter, Pinterest …»
Gustaf stand auf und packte sie, um ihr die Kamera wegzunehmen, aber sie wand sich geschickt aus seinem Griff und sprang zur Seite. «Hör auf», sagte sie. «Die Leute starren uns noch an.»
Gustaf sah sich theatralisch um. «Ich glaube, hier interessiert sich keiner für uns.»
Er setzte sich hin und widmete sich wieder seinem Essen. Jasmin ließ sich neben ihm nieder und nahm ihren eigenen Essenskarton auf die Knie. «Im Ernst», wiederholte sie. «Sowas würde ich nie tun. Es macht mir einfach Spaß, dich zu knipsen, wenn du nicht hinsiehst.»
«Ist klar», entgegnete er.
«Nein, wirklich. Du siehst am Schönsten aus, wenn du dir nicht extra Mühe gibst. Ich kann es dir nachher zeigen.»
«Lass mal», sagte er nur. Es freute ihn, dass sie ihn offenbar für ein tolles Motiv hielt, aber er wollte nicht mehr Fotos von sich selbst sehen, als unbedingt nötig.
«Was machen wir nachher?», fragte sie.
«Covent Garden», antwortete er. «Ich möchte mich dort ein wenig umsehen. Mit etwas Glück finde ich neuen Schmuck für mein Bühnenoutfit.»
Camden Lock wäre die bessere Wahl gewesen, aber das war ihm nun eindeutig zu weit weg.
«Geht klar.»

Diese Nacht verbrachten sie bei Jasmin zu Hause. Gustaf lag im Bett und starrte an die Decke, zu benebelt von Glücksgefühlen, um zu reden.
Auch Jasmin sagte nicht viel. Sie streichelte mit der Hand über seine Brust, zeichnete mit den Fingerspitzen seine Muskeln nach, und sah ihn zwischendurch auffordernd an. Ihm war klar, dass er die Sache mit seinem fehlenden sexuellen Verlangen irgendwann ansprechen musste, aber nicht heute. Er war eindeutig zu müde für ein solches Gespräch.
Sie schob ihre Hand an seinem Körper entlang nach unten und ergriff den Saum seiner Unterhose, doch da umfasste er ihr Handgelenk und hielt sie auf. Jasmin zog ihre Hand langsam zurück, wandte sich ab und ließ sich rücklings auf ihr Kissen fallen. Sie atmete geräuschvoll aus.
Gustaf schielte zu Jasmin herüber. Sie wirkte unzufrieden und er fragte sich, warum. Ging es ihr so sehr an die Nieren, dass er sie eben zurückgewiesen hatte? Er überlegte, ob er vielleicht doch das Wort ergreifen sollte, aber Jasmin war schneller.
«Sechs Wochen», sagte sie.
Das verwirrte Gustaf ein wenig. Wenn sie sich dazu geäußert hätte, dass er gerade ihre Hand von sich geschoben hatte, hätte er es nachvollziehen können, aber was meinte sie mit «sechs Wochen»? Er stützte sich seitlich auf einen Arm, damit er ihr Gesicht sehen konnte. «Und weiter?», fragte er.
«Seit sechs Wochen treffen wir uns regelmäßig.»
Er verstand immer noch nicht, worauf sie hinauswollte. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Er kannte zwar keine Regel, die besagte, dass man das feiern musste, aber einige Frauen waren da nun einmal etwas eigen.
«Ist heute so etwas wie ein Jubiläum, das ich verpasst habe?», fragte er.
Jasmin seufzte lautstark.
In dem Fall wohl doch nicht. Er überlegte fieberhaft, was es sonst sein könnte. Irgendetwas, das sie ihm erzählt hatte, irgendetwas, das wichtig war.
«Dein Geburtstag?», riet er, als ihm nichts einfiel.
Jasmin stieß ein Geräusch aus, das an ein Lachen grenzte, aber sogleich verebbte. Sie setzte sich auf und studierte sein Gesicht, als hätte er etwas zu verbergen, das sie so enttarnen könne. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie wieder sprach.
«Willst du mir weismachen, du weißt nicht, worum es geht?», fragte sie.
Tatsächlich hatte Gustaf immer noch keine Ahnung, was sie meinte. Vielleicht doch die Zurückweisung? Aber was hatte das mit den sechs Wochen zu tun? Auf einmal rastete die beiden Informationen ineinander wie Zahnräder in einer schwerfälligen Maschine. Natürlich! Wie hatte er so blöd sein und glauben können, es wäre sinnvoll, diese Diskussion hinauszuschieben?
«Ach, Mist», sagte er und setzte sich auf.
Jasmin fixierte ihn immer noch mit diesem erwartungsvollen Blick.
«Es geht um Sex, nicht wahr?», fragte er sie.
Sie nickte langsam. «Wir haben in diesen sechs Wochen noch kein einziges Mal miteinander geschlafen. Wenn ich es überhaupt wage, dich anzufassen, stösst du mich weg, sobald es ernster wird. Warum?»
Gustaf musste lachen, aber nicht über sie, sondern über seine eigene Naivität. Man sollte meinen, dass man irgendwann genug Erfahrung besass, um so etwas zu ahnen und mit der Situation richtig umzugehen, aber das war ein jämmerlicher Irrtum.
«Wirklich, Gustaf», sagte Jasmin. «Ich verstehe das einfach nicht. Meistens habe ich schon beim zweiten Date Sex, wenn nicht früher.»
«Entschuldige», sagte er, als er sich ein wenig beruhigt hatte. «Das … Daran hab ich gar nicht gedacht. Alles klar. Ich hätte vielleicht früher etwas sagen sollen.»
«Was soll das denn jetzt heissen? Bist du … Hast du Probleme mit … Dem Equipment oder sowas?» Sie war sichtlich verwirrt.
Er lehnte sich an die Kopfwand des Bettes, um mehr Halt zu haben. «Nein, keine Sorge», sagte er. «Mein Körper funktioniert einwandfrei.» Er wandte den Blick von Jasmin ab, während er nach den richtigen Worten suchte. Wo, um Himmels Willen sollte er anfangen? Selbst nach all den Jahren, seit er das nun wusste, war es immer noch schwierig, es Aussenstehenden zu erklären.
«Es gibt da etwas, das du über mich wissen solltest», sagte er schliesslich und sah wieder zu ihr.
Jasmin wollte gerade den Mund öffnen, um etwas zu sagen, aber dieses Mal kam er ihr zuvor.
«Ich bin asexuell.» Einfach und direkt, das war das, was er am besten konnte.
Erst einmal schwieg sie. Ihr Gesicht war wie versteinert, während sie ihn von oben bis unten musterte. Dann sagte sie: «Bist du sicher?»
Genau das war eines der Probleme. Da begannen die Missverständnisse bereits.
«Nein, ich weiss es», entgegnete er so ruhig wie möglich. «Ich bin keine fünfzehn mehr, Jasmin. Es hat nichts mit pubertären Phasen zu tun, auch wenn manche Leute das glauben.»
Sie blickte nachdenklich auf das Bett, ehe sie erneut sprach. «Aber du bist doch … Ich meine, hast du mal in den Spiegel gesehen, du bist die reinste Verkörperung von Sexappeal …»
Wiederum musste Gustaf lachen. Das wusste er. Ihm war sehr wohl klar, was die Leute über ihn dachten, schliesslich bekam er die Reaktionen auf seine Kunst mit. Dabei ging es nun einmal auch um sein Aussehen und darum, wie erotisch einige es fanden. Ihm war das nur recht, denn es half, Konzerttickets zu verkaufen.
«Das hat nichts damit zu tun», sagte er.
«Das verstehe ich nicht», erwiderte Jasmin.
Langsam verlor er die Geduld. Natürlich konnte sie nicht einfach so Bescheid wissen, ohne dass er ihr etwas darüber erzählte, aber er fragte sich, ob sich das überhaupt lohnte. Vielleicht war sie ja doch nicht so besonders, wie er geglaubt hatte, und dann wollte er die Sache lieber frühzeitig beenden.
«Wir können darüber reden, wenn es dich interessiert», sagte er deshalb. «Wenn nicht, gehe ich jetzt und wir vergessen, dass wir uns jemals begegnet sind.»
«Okay», sagte sie gepresst. «Aber es redet sich besser mit einem Bier. Willst du auch?»
Gustaf nickte kurz.
Jasmin stand auf und verschwand in der Küche.
Gustaf erwartete das Klappergeräusch der Bierflaschen jeden Moment, aber stattdessen hörte er gar nichts. Er hatte also recht gehabt. Sie konnte nicht damit umgehen. Wieso sonst sollte sie Zeit schinden? Mensch, warum hatte er sich überhaupt auf sie eingelassen? Er war wohl doch ein wenig verknallt und genau deswegen hielt er es nicht mehr aus.
In seinem Gehirn drehte sich alles und die Vorstellung, wie sie beide lauthals stritten und Jasmin ihm das Herz brach, spielte sich vor seinem inneren Auge ab wie ein Film. Die Szene wurde immer deutlicher und lauter und beherrschte schliesslich Gustafs ganzes Denken. Er musste gehen, bevor es soweit kommen konnte.
Mit gemischten Gefühlen stand er auf und zog eilig seine Klamotten an. Anschliessend ging er hinaus auf den Flur. In der offenen Küchentür blieb er kurz stehen. Jasmin stand mit dem Rücken zu ihm und starrte aus dem Fenster, die Hände auf die Anrichte gestützt. Selbst von hier aus konnte Gustaf den Regenschleier in der dunstigen Luft da draussen erkennen.
Gerade, als Gustaf etwas sagen wollte, drehte sie sich um. «Hey», sagte sie. «Was …?»
«Vielleicht sollte ich doch lieber gehen», erklärte er.
Jasmin stand da wie vom Blitz getroffen. «Wieso das denn?»
«Es ist doch offensichtlich», antwortete er. «Du verstehst es jetzt schon nicht, wie willst du langfristig damit klarkommen? Mach’s gut, Jasmin.»
Er drehte sich um und ging zur Tür. Hastig zog er Schuhe und Jacke an. Er hatte die Hand bereits auf der Türklinke, als Jasmin zu ihm trat und ihn am Arm festhielt.
«Warte», sagte sie. «Findest du das nicht ein bisschen unfair? Eben hast du noch gesagt, wir sollten darüber reden.»
«Ja, und daraufhin ist das erste, was du tust, Bier zu holen» gab er zurück. Er konnte die Panik nicht mehr unterdrücken. Er wünschte sich nichts mehr, als den endlosen Strudel in seinem Kopf einfach abschalten zu können, aber das ging leider nicht.
«Weil es sich mit einem kalten Bier besser reden lässt», verteidigte Jasmin sich. «Was ist denn auf einmal los mit dir?»
Er seufzte laut und machte eine wegwerfende Geste. «Wenn ich dir sagen würde, dass ich mitmachen würde. Beim Sex, meine ich. Wenn ich dir sagen würde, dass ich nur sehr, sehr selten einen Menschen körperlich anziehend genug finde, um mit ihm schlafen zu wollen, wenn ich dir sagen würde, dass Sex und Liebe für mich nicht den geringsten Zusammenhang haben. Würdest das verstehen?»
Jasmin wirkte wie erstarrt. Ihre Stirn wölbte sich ein wenig und ihre Pupillen bewegten sich minimal, als ob sie angestrengt nachdachte.
«Genau», sagte er. «Für euch allosexuelle Leute gehören diese beiden Dinge zusammen wie Sonne und Mond und ihr habt nicht die geringste Vorstellung davon, wie es ist, sich ständig erklären und rechtfertigen zu müssen. Das habe ich einfach schon zu oft erlebt, Jasmin. Ich halte diesen Schmerz nicht noch einmal aus.»
«Allo … was?», begann sie.
Er drückte die Klinke herunter.
«Moment!», fuhr sie auf. «Du weisst doch noch überhaupt nicht, ob ich es verstehen kann. Ich weiss es auch nicht, das ist neu für mich, okay? Aber ich mag dich Gustaf und ich werde mir alle Mühe geben, einen Weg zu finden, der für uns beide passt.»
Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Die anderen hatten alle ähnliche Worte ausgesprochen und letztendlich waren es doch nur leere Versprechen gewesen. Trotzdem mochte er Jasmin auch. Sollte er wirklich jetzt schon aufgeben? In seinem inneren tobte ein altbekannter Krieg und er hatte keine Ahnung, auf welche Seite er sich schlagen sollte.
«Du hast gesagt, dein Körper funktioniert», fuhr Jasmin fort. «Also wenn ich die Initiative ergreife, wenn ich es schaffe, dass du Freude daran hast …» Sie steigerte sich allmählich hinein.
«Das ist nicht das Problem», erwiderte er resigniert.
«Was dann?», krächzte sie.
Gustaf konnte immer noch nichts Sinnvolles beitragen.
«Erkläre es mir doch, dann sage ich dir, ob ich damit klarkomme oder nicht», beharrte Jasmin. Ihre Stimme überschlug sich fast.
Er wollte das tun. Er wollte mit ihr zusammen sein und er wollte, dass es funktionierte. Der Lärm in seinem Kopf ebbte langsam ab und er liess die Türklinke los. Als er Luft holte, klang es wie ein tiefes Seufzen.
«Versprich mir, dass du ehrlich bist», sagte er. «Versprich mir, dass du nicht versuchen wirst, mich zu ändern.»
«Natürlich nicht», antwortete sie. «Warum sollte ich das tun, ich … Gustaf, ich will mit dir zusammen sein, mit allem, was dazu gehört.»
«Sicher?»
«Natürlich», sagte sie. «Habe ich seit wir uns kennen jemals irgendeinen Scheiss gelabert?»
Fast hätte er gelacht, aber nur fast. Sechs Wochen, unbedeutende, kurze sechs Wochen. Doch hiess das nicht auch, dass er genauso wenig wissen konnte, wie es ausging, wie sie?
«Hol das verdammte Bier raus», sagte er, streifte Schuhe und Jacke wieder ab und ging ins Wohnzimmer.
Es dauerte keine Minute, bis Jasmin mit dem Bier hinterher kam. Sie reichte ihm eine der Flaschen. Auf Gläser verzichteten sie und während den ersten Schlucken schwiegen sie beide. Gustaf lehnte sich mit dem Rücken an und begann, Jasmin die Einzelheiten zu erklären.
«Grundsätzlich bedeutet Asexualität, dass man keine sexuelle Anziehung empfindet. Man erkennt Schönheit, aber es löst kein Bedürfnis nach Sex aus. Das hat für mich einfach nichts miteinander zu tun. Ich kann Sex schön finden, wenn es um Nähe und Vertrautheit geht, aber ich werde wohl nicht selbst die Initiative ergreifen, weil ich diese beiden Dinge ja auch anders bekomme.»
Er wartete kurz, um Jasmin Zeit zu geben, Fragen zu stellen. Als sie einfach nur nickte, holte er tief Luft und sprach weiter.
«Asexualität ist ausserdem ein Spektrum. Es gibt Asexuelle, die überhaupt nichts mit Sex zu tun haben wollen, solche, die es geniessen, solche, die Fetische haben und solche, die erst mit einer Person intim werden wollen, wenn sie sie gut kennen. Und solche wie mich. Ich bin grey. Das bedeutet, dass ich in seltenen Fällen bestimmte Personen sexuell interessant finde, aber ich kann das nicht steuern.»
«Moment», sagte Jasmin. «Du sagtest einige mögen Sex? Wie? Ich meine, ich denke, sie finden andere nicht anziehend?»
«Das muss nicht unbedingt zusammenhängen», antwortete er. «Vielen gefallen einfach die Gefühle, die sie dabei empfinden, unabhängig von der anderen Person. Also, natürlich macht man es nicht wahllos mit irgendwem, aber es basiert halt nicht auf der Attraktivität der anderen Person.»
«Ist das bei dir auch so?», wollte sie wissen.
Gustaf lächelte, weil er mit dieser Frage gerechnet hatte. «Manchmal», sagte er. «Wenn alles stimmt und ich mich gut fühle.»
«Okay», sagte sie langsam. «Und du findest manchmal Leute heiss? Warum? Ich meine, kann ich irgendetwas tun, um das zu beeinflussen, bestimmte Klamotten tragen oder sowas …»
«Nein. Es sind bestimmte Menschen, die es auslösen, aber ich weiss nicht, aufgrund wovon. Und ich kann nicht entscheiden, wer. Ich kann sehr starke Gefühle für jemanden haben und trotzdem keine sexuelle Anziehung für ihn empfinden.»
Jasmin sah nachdenklich zu Boden. «Das sind eine Menge neue Informationen», sagte sie.
«Wie gesagt, wir können miteinander schlafen, wenn du willst», fuhr er fort, weil er ihr etwas von der Anspannung nehmen wollte. «Es gibt gewisse … Dinge … Berührungen zum Beispiel, die mich genug erregen, um …»
«Warte», unterbrach sie ihn. «Das heisst also, du sagst mir, tu dies oder tu das und das erregt dich dann?»
«So kann man es auch ausdrücken», erwiderte er halbherzig.
Es war eine Sache, mit der viele Menschen nicht umgehen konnten. Sie verstanden nicht, warum der blosse Anblick der anderen Person nicht ausreichte und empfanden es als unnatürlich.
«Aber ich als Person mache dich nicht an? Also, wenn du meinen Körper jetzt total schön fändest …»
Gustaf sah sie überrascht an. Hatte er das nicht gerade erklärt? «Ich finde dich schön», sagte er. «Aber wie gesagt, das löst nichts aus, ausser, dass ich dich gerne anschaue.»
«Das ergibt keinen Sinn», sagte sie.
«Siehst du, genau das meinte ich vorhin. Wenn du mir jetzt nicht folgen kannst, wie soll das funktionieren?»
«Manche Leute verstehen die Dinge in der Praxis besser als in der Theorie», entgegnete sie. «Ich bin kein Mädchen, das keine Ahnung hat, Gustaf. Ich brauche nur etwas … Zeit, um das alles zu verarbeiten, schätze ich.»
«Ich hoffe, du behältst recht», antwortete er nur.
«Noch etwas», sagte sie ein klein wenig zu schnell.
«Was denn?», fragte er.
«Wie steht es um deine Gefühle? Für mich, meine ich.»
Er lächelte. Es war wohl Zeit, es auszusprechen.  «Ich mag dich wirklich sehr», sagte er. «Ich möchte jeden Tag und jede Sekunde mit dir verbringen. Warum zweifelst du daran?»
«Nun ja, ich dachte …», begann sie, schien es sich aber anders zu überlegen. «Ach, vergiss es.»
«Nein, sag.»
«Nun, wenn du mich nicht anziehend findest, wie kannst du dann … Aber du hast gesagt, es hätte keinen Zusammenhang, also, vergiss es einfach und ich werde mich ein wenig einlesen, und dann …»
Irgendwie wirkte sie masslos überfordert und er empfand es als das einzig Richtige, heute keine endgültigen Antworten mehr von ihr zu verlangen. Er legte ihr einen Finger auf die Lippen.
«Gönn dir eine Pause», sagte er.
Er fragte sich kurz, ob es klug war, ihr noch von seiner romantischen Orientierung zu erzählen; dass er sich in Männer und Frauen gleichermassen verliebte. Doch das hätte Jasmin womöglich noch mehr durcheinandergebracht und deshalb liess er es bleiben.


Hat dir dieses Kapitel gefallen? Teile deine Meinung jetzt auf Instagram unter #sleazesymphony oder direkt hier in den Kommentaren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s