Einen Blogroman veröffentlichen – Erfahrungsbericht

Als ich Anfang Dezember das letzte Kapitel meines Blogromans hochgeladen habe, habe ich versprochen, über meine Erfahrungen damit zu berichten. Deshalb gibt es heute diesen sehr individuellen Bericht dazu.

Ein Blogroman ist eine Geschichte, die in regelmässigen Abständen stückweise hochgeladen wird. Bei mir war es Kapitel für Kapitel, jede Woche eines, immer am Sonntag. Es gibt verschiedene Gründe, so etwas zu machen. Als Experiment, als Disziplinarversuch (kann ich in dieser Weise schreiben?), als eine Art Goodie für die Fans oder auch einfach nur Spass an der Blödelei, äähm, Freude. Meine Gründe waren:

  • Die Zeit bis zu meiner nächsten grossen Romanveröffentlichung überbrücken
  • Etwas Sichtbarkeit und neue Leser*innen gewinnen
  • Sehen, wie sowas ankommt

Da ich wusste, dass ich nicht jede Woche ein neues Kapitel schreiben und dabei auch noch eine kongruente Geschichte erschaffen kann, habe ich die Geschichte vorher zu Ende geschrieben und lediglich in dieser Form veröffentlicht. In der festen Überzeugung, der dritte Teil meiner angefangenen Reihe würde dann bis Frühling 2021 fertig sein, fand ich das eine gute Möglichkeit, den Leser*innen etwas für diese Zwischenzeit zu geben. Hätte ich den Blogroman als Buch veröffentlicht, hätte ich mehr Zeit gebraucht und demzufolge weniger Zeit für diesen dritten Teil der Reihe gehabt. Ich wollte aber einen Veröffentlichungsrhythmus von ungefähr einem Jahr hinbekommen, um eine gewisse Zuverlässigkeit zu bieten. Der Blogroman erschien mir deshalb eine gute Möglichkeit, dieses Ziel zu erfüllen.

Tja und dann passierte das erste Problem. Die erwähnte Reihenfortsetzung lief nicht wie geplant. Mir erschien der Plot irgendwie nie wirklich richtig, irgendetwas fehlte. Ich habe mich also reingehangen, um dieses letzte Puzzleteil zu finden, denn ich wollte ja vorwärts machen. Und gerade als ich dachte, jetzt hätte ich es, kam die Pandemie und der Lockdown. Ich hörte Geschichten von Menschen, die das wirklich schlimm getroffen hat, die ihre Existenz verloren haben, oder auch ihre Liebsten oder ihren Verstand. In meinem eigenen Brotjob ging auf einmal alles drunter und drüber.

Ich bekam eine Art kreative Krise. Abgesehen davon, dass mich der Stress blockierte, keimte in mir plötzlich die Frage: Wie kann ich das noch schreiben? Wie kann ich diese Themen, die ich in diesem dritten Buch habe, weiterhin vertreten, wenn es realen Menschen in meinem Umfeld so bescheiden geht? Mir kam alles, was ich da schreiben wollte, schrecklich falsch und irrelevant vor. Ich habe noch ein paar Wochen versucht, weiterzumachen, musste aber feststellen, dass es nicht ging. Also habe ich dieses Buch auf Eis gelegt. (Habe damals auch einen ausführlichen Beitrag dazu gemacht, ihr findet ihn hier.)

Der Blogroman war aber noch da und ich war schon so weit in der Planung, dass ich nicht alles über den Haufen werfen wollte. Also habe ich beschlossen, das trotzdem durchzuziehen, auch wenn das Thema „Zeitüberbrückung“ nun vom Tisch war. Ich werde zweifellos länger als Frühling 2021 brauchen, bis mein nächstes Buch erscheint. 😉

Zum Glück war das nicht das einzige Ziel des Blogromans. Das zweite war ja Sichtbarkeit. Ich dachte, wenn ich regelmässig etwas poste und so, würde mir das zu mehr Sichtbarkeit verhelfen. Ich dachte, es wäre eine Möglichkeit, zusätzlich zu einer unterhaltsamen Verköstigung meiner Fans neue Leser*innen zu gewinnen. Das stellte sich als Irrtum heraus. Denn: einfahch nur regelmässig zu posten, reicht natürlich nicht. Man müsste das Ganze auch noch bewerben, mit Blogger*innen zusammenarbeiten, auf diversen Plattformen darauf aufmerksam machen. Dafür hatte ich nur leider aufgrund des Trubels in meinem real life weder den Kopf noch die Zeit. So geschah es, dass meine Fans die Geschichte offenbar lasen, die Aktion aber kaum neue Leute anzog.

Hinzu kam, dass mich diese Verpflichtung, jede Woche ein neues Kapitel zu veröffentlichen, stresste. Anfangs hat es Spass gemacht, doch dann war plötzlich mein Job gefährdet (ironischerweise noch nicht einmal aufgrund der Pandemie) und ich musste einen neuen suchen. Da waren meine Energiereserven dann definitiv am Anschlag. Ich mache aber nun einmal nicht gerne halbe Sachen und deshalb dachte ich, um wenigstens etwas hinzukriegen in diesem Jahr, beende ich diesen Blogroman wie geplant, und habe eisern weitergepostet. Die Wahrheit ist, am Ende tat ich es mehr aus Pflichtgefühl als aus Spass. (Inzwischen hat sich das aber alles gelegt und ich habe wieder Freude am bloggen. ;-))

Ist der Blogroman wenigstens angekommen? Das weiss ich, ehrlich gesagt, nur von einigen Hardcorefans, die auch Freunde von mir sind. Die mochten ihn anscheinend. Einige Likes hat er auch bekommen, also nehme ich an, es gibt doch noch ein paar vereinzelte begeisterte Leser*innen mehr da draussen, einen ganz lieben Gruss und Dank an euch alle! Kommentare blieben aus, aber einige von euch waren sogar so lieb, die Geschichte weiterzuempfehlen. Auch dafür ein ganz dickes Dankeschön! Ob dadurch wirklich neue Fans hinzugekommen sind, wird sich erst bei meiner nächsten Veröffentlichung wirklich zeigen, denke ich.

Fazit: Es war ein interessantes Experiment. Ich habe so etwas zuvor noch nie gemacht und es war durchaus spannend, das mal zu versuchen. Im Nachhinein denke ich aber, dass ich vielleicht doch besser hätte umplanen und die Geschichte als Buch veröffentlichen sollen. Irgendwie habe ich das Gefühl, davon hätten alle mehr gehabt, sowohl ihr Leser*innen als auch ich. Nun, es ist ja nicht ausgeschlossen, das doch noch zu tun. Irgendwann. Aber erst einmal hake ich das als Erfahrung ab und widme mich anderen Projekten.

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